
Der World Development Report (WDR) 2009 "Reshaping Economic Geography" widmet sich den für wirtschaftliche Entwicklung notwendigen räumlichen Transformationen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene und leitet hieraus Politikempfehlungen ab. Die Bedeutung dieses wirtschaftsgeographischen Themas wird durch die Verleihung des diesjährigen Nobelpreises für Wirtschaft an Paul Krugman, der als Begründer der Neuen Ökonomischen Geographie gilt und auch als Berater zum WDR 2009 beigetragen hat, erneut hervorgehoben.
Wirtschaftliche Entwicklung geht mit räumlicher Konzentration einher und verändert die wirtschaftsgeographische Struktur von Ländern und Regionen. Diese Veränderungen schaffen zunehmende Disparitäten zwischen Stadt und Land, führenden und zurückgebliebenen Regionen und letztlich zwischen Ländern in verschiedenen Teilen der Welt. Die Entwicklung der letzten zwei Jahrhunderte hat zeigt, dass solche Länder die Weltwirtschaft dominieren (USA, Westeuropa und Japan), die die größten Städte, die mobilsten Arbeitskräfte oder die am stärksten regional/global integrierte Wirtschaft aufweisen. Eine ähnliche Entwicklung wiederholt sich heute in China, Indien und Südostasien, wohingegen viele Staaten in Subsahara Afrika Beispiele für eine weniger erfolgreiche Entwicklung darstellen.
Der WDR 2009 beschreibt und analysiert diese für die wirtschaftliche Entwicklung relevanten, räumlichen Veränderungen anhand von drei Dimensionen: die zunehmende Konzentration von wirtschaftlicher Aktivitäten ("Density"), die Verkürzung von Entfernungen zwischen Wirtschaftsakteuren und Märkten ("Distance") sowie die Überwindung von inner- und zwischenstaatlichen Trennlinien ("Division"). Zudem analysiert der Bericht die Marktkräfte, die die räumlichen Veränderungen vorantreiben (Agglomeration, Migration, Spezialisierung). Der Bericht bewertet die räumliche Konzentration von Wirtschaftsaktivitäten als eine notwendige Bedingung für Entwicklung und weist gleichzeitig darauf hin, dass trotz der daraus resultierenden geographischen Ungleichgewichte das Wirtschaftswachstum sozial verträglich sein kann. Mit Hilfe von wirtschaftlicher Integration können Wirtschaftswachstum und eine sozial verträgliche Entwicklung parallel erreicht werden.
Der WDR 2009 plädiert deshalb für einen Kurswechsel in der Politik: Anstelle von Ansätzen zur räumlich gezielten Förderung, die unter Umständen Marktkräften entgegenwirken, sollte wirtschaftliche Integration gefördert werden. Dafür sollten die drei Marktkräfte unterstützt werden sowie verschiedene Politikinstrumente zum Einsatz kommen: Raumneutrale Maßnahmen („Institutions“) sollten unternommen werden, um eine Versorgung mit grundlegenden sozialen Dienstleistungen überall sicherzustellen, bevor zusätzlich auch „verbindende“ Maßnahmen („Infrastructure“) und räumliche gezielte Maßnahmen („Incentives“) eingesetzt werden.
Der Verantwortliche für den Bericht, Hr. Indermit Gill, wird den WDR 2009 in Berlin am 18. November 2008 vorstellen und die Empfehlungen des Berichts diskutieren.
Für Fragen zu der Veranstaltung bitte an wdr2009@inwent.org schreiben.